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5€, 10€ oder mehr – Warum muss ich denn heute so viel zuzahlen?

# Tipps | 18. Dezember 2015

Jeden Tag beantworten wir diese und ähnliche Fragen viele, viele Male bei uns in der Apotheke, denn es ist nicht leicht, sich im Dickicht der Zuzahlungsregeln zurechtzufinden. Dabei ist es grundsätzlich eigentlich ganz einfach: Seit 2004 betragen in Deutschland die per Gesetz festgelegten Zuzahlungen für Arzneimittel, die Ihnen auf einem Kassenrezept verordnet werden, 10 % des echten Preises. In jeder Apotheke und auch beim Arzneimittelversand.

„Nanu?“, werden Sie jetzt vielleicht denken. „Ich zahle doch eigentlich immer 5 €!?“ Nun ja,  in Deutschland gibt es keine Regel ohne Ausnahmen! Und so besagt die erste Ausnahme, dass Sie zwar „immer“ 10 % des Arzneimittelpreises zuzahlen, aber mindestens 5 €. Bei einem Medikament, das 27,50 € kostet, zahlen Sie daher nicht 2,75 €, sondern fünf. Sehr viele, häufig verordnete Medikamente kosten in Deutschland inzwischen weniger als 50 €, so dass Sie somit immer die Mindestzuzahlung leisten. Sollte ein Medikament einmal weniger als fünf Euro kosten, was z.B. bei einigen Blutverdünnern wirklich der Fall ist, zahlen Sie natürlich nur den niedrigeren echten Preis!

Die zweite Ausnahme besagt, dass Sie höchstens 10 € zahlen müssen. So kommt es, dass Sie für ein Medikament, das 120 € kostet, ebenso die Höchstsumme von 10 € zuzahlen wie beispielsweise bei einem teuren Krebsmittel für 5000 €. Und auch klar, dass bei einem Insulin für 87,94 € die Zuzahlung 8,79 € beträgt, oder?

Dann gibt es noch die dritte Ausnahme: Die Festbetragsarzneimittel. Ein Bundesausschuss legt Listen von austauschbaren Arzneistoffgruppen fest, für die die Krankenkassen und/oder das Bundesgesundheitsministerium einen Festbetrag definieren. Das ist dann der Höchstbetrag, den die Krankenkassen für diese Stoffgruppe übernehmen, egal, welchen Preis der Hersteller festgelegt hat.
Manchmal werden dabei auch Äpfel und Birnen in eine Gruppe gepackt und Tabletten zum Schlucken als gleichwertig mit Brausetabletten definiert…
Senkt ein pharmazeutischer Unternehmer seinen Preis nicht auf diesen Festbetrag ab, müssen Sie außer der „normalen“ Zuzahlung auch noch die Festbetragsdifferenz bezahlen. Für die gibt es nach oben keine Grenze … Allerdings muss es in einer Gruppe immer mindestens drei Medikamente geben, die ohne weitere Zuzahlung erhältlich sind. Das bedeutet dann aber eben manchmal, dass Sie statt eines Apfels eine Birne essen sollten.

Die vierte (und angenehmste) Ausnahme sind die Medikamente, bei denen alle Krankenkassen auf die Zuzahlung verzichten (müssen)! Das ist dann der Fall, wenn ein Hersteller sein Medikament für 30 % unter dem Festbetrag anbietet. Beim Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen finden Sie eine Liste, in der die derzeit befreiten Arzneimittel aufgelistet sind. Da die Hersteller alle 14 Tage die Möglichkeit einer Preisänderung haben und auch die Festbeträge regelmäßig nach unten angepasst werden, ist diese Liste allerdings stets nur eine Momentaufnahme.

Die fünfte und ebenfalls angenehme Ausnahme gibt es bei den Rabattarzneimitteln. Das sind Arzneimittel, bei denen Ihre Krankenkasse einen eigenen Sondervertrag mit einem Hersteller ausgehandelt hat. Ihre Krankenkasse kann für diese Arzneimittel auf die Zuzahlung ganz oder zur Hälfte verzichten (So erklären sich dann auch Zuzahlungen von 2,50 €). Und natürlich kann sie das auch jederzeit widerrufen. Freuen Sie sich also, so lange es etwas umsonst gibt! Aber gewöhnen Sie sich lieber nicht daran!

So gibt es also eine verwirrende Vielfalt an Zuzahlungsformen, von denen wir Ihnen hier nur die wichtigsten(!) vorgestellt haben. Oft werden wir auch gefragt, was wir mit dem vielen Geld machen. Das gehört gar nicht uns, sondern Ihrer Krankenkasse, der wir die Zuzahlungen einmal monatlich pünktlich – und ohne Verwaltungsgebühren – überweisen. Die Apotheke als Inkassofirma sozusagen.

Noch mehr Informationen und Antworten auf Ihre Fragen rund um Zuzahlungen erhalten Sie nicht nur in der Apotheke, sondern bei Ihrer Krankenkasse oder auf der Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit:
www.bmg.bund.de/krankenversicherung/arzneimittelversorgung/zuzahlung.html

Liste der generell zuzahlungsbefreiten Arzneimittel:

Überforderungsklausel.
Keiner muss mehr an Zuzahlungen leisten, als er (er-)tragen kann. Unabhängig vom Einkommen müssen „normal“ Kranke 2 % Ihres Bruttoeinkommens und chronisch Kranke 1 % Ihres Einkommens für Zuzahlungen aufwenden. Wie das genau berechnet wird und welche Formulare Sie für eine Befreiung ausfüllen müssen, erläutert Ihnen Ihre Krankenkasse. Wir erklären Ihnen gerne, welche Möglichkeiten es bei uns gibt, eine Sammelquittung zu erstellen und/oder eine Kundenkarte anzulegen, um Quittungen einfach zu sammeln und von vielen weiteren Vorteilen zu profitieren.

 

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